Textor & Renz
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About Textor & Renz
Die Musik von Textor & Renz ist von besonderer Gegenwärtigkeit. Weil sie uneingeschränkt in den Moment gehört, in dem sie gehört wird. Und weil sie nicht einfach bloß da ist, sondern sich den Zuhörern gegenüber stellt und ihnen direkt in die Augen sieht. Das ist sehr schön, aber, ohne zu viel sagen oder zu weit ausholen zu wollen, im Zeitalter der ständigen Verfügbarkeit, ja ständigen Anwesenheit, von Musik auch wichtig. Das hört sich jetzt unter Umständen unnötig hochtrabend an. Und auch nicht sonderlich einladend, vielleicht. Aber Geduld. Machen wir es uns gemütlich. Mit einem guten heißen Whiskey. Und mit ‚A chair is not a chair a house is not a home’. Keine Sorge, das ist schon durchaus ein Stuhl (und falls es ein Sofa ist, nehmen wir für den Moment trotzdem einmal an, es sei ein Stuhl), aber das Haus ist für den Moment jedenfalls etwas anderes. Weil Textor & Renz neben der Musik noch den Raum und den Moment ihres Entstehens mitbringen, das Knarzen der Stühle auf denen sie saßen, das Zwitschern der Vögel vor den Fenstern einer Hütte in Schweden, just vor den Zeilen ‚Don’t you worry about me’. Für diesen Moment sind es nicht bloß in Daten konservierte Töne, die da anwesend sind. Sondern zwei Menschen, die sich zusammen entschlossen haben, diese Lieder zu spielen. Das (siehe oben) ist nicht unwichtig, verdient aber auch eine noch bessere Erklärung. Textor & Renz gehen mit Gesang, Bass und Gitarre auf die Suche nach den alten, staubigen, immer wiederkehrenden Gefühlen. Sie spielen, sagen wir es ganz geradeheraus, den Blues. Wenn man mal vergisst, wie lange das Wort schon für Genrefingerübungen missbraucht wird. Und darauf achtet, wie in Textors Stimme Schatten von großen, aufrechten Gefühlsformulierern zwischen Willie Nelson und Nina Simone tanzen. Und wenn man darauf achtet, wie die Gitarre die müden Phrasen vermeidet, sondern ganz an den Ursprung zurück geht und sich auf die Musik und die Momente einlässt. Was diese Band auszeichnet, ist diese Entschlossenheit der Darstellung. So wie niemand glauben musste, dass Johnny Cash je im Folsom Prison saß, um ihm sein Lied zu glauben, so muss niemand glauben, dass Textor Blutspuren an der Wand hat – die interessanteren Besucher sind ja die, die eine gute Geschichte zu erzählen wissen und nicht jene, die zwanghaft aus ihren Tagebüchern erzählen wollen. Es ist diese Art von Überzeugungskraft, die macht, dass das Lächeln aus der Stimme in ‚Get it over with’ so ansteckend wirkt, und man vergnügt über ‚Hang on sloopy’ Akkorde mitsingt, die Füße mitwippt oder auf dem Lenkrad klopft. Momente, die Textor schon 1996 bei den Kinderzimmer Productions beschrieben hat, „Hab' keine Ohren für das Gehupe und Geschrei und das Radio sagt: I'm so lonesome, I could cry!“ Das Stück dazu hieß ‚I got a right to sing the blues’ , aber angesichts von ‚A chair is not a chair a house is not a home’ und der Konzerte der beiden, möchte man aus diesem Recht zu gerne eine Pflicht machen. Bei all dem ist die Entscheidung, die Songs, ohne sich in die Untiefen moderner Aufnahmetechnik zu begeben, gemeinsam in einem Raum einzuspielen, nicht als rückwärtsgewandter Purismus zu verstehen. Das versteht man spätestens, wenn sich in ‚Maybe Dead’ die Gitarren- und Basstöne so selbstverständlich ineinander verzahnen wie die Stimmen – das funktioniert schon deswegen nur im Zusammenspiel, weil die Stille des gemeinsamen Momentes so sehr zu dieser Musik gehört wie jeder Ton. Als hätten sich Talk Talk noch einmal zusammen gefunden, um ihre Vision einer Country Platte aufzunehmen. Das Bewusstsein für das organische (noch so ein Schimpfwort, das hier durch geschmackssicheres Können rehabilitiert wird) Entstehen von Musik macht bei Konzerten, dass man sich in den Momenten der Stille bewusst wird, wie man selber atmet, wie laut die Jacke beim Nachbarn raschelt oder wie befreiend das Zurückfallen auf den Grundton klingen kann. Es scheint, wie bei diesem Album auch, nahezu unmöglich, zuzuhören, ohne sich tatsächlich einzulassen. Was sich allerspätestens bei der Monster Magnet Coverversion nicht mehr so akademisch anfühlt, wie das hier vielleicht schon wieder klingen mag. Aber jetzt ist auch wirklich weit genug ausgeholt und lang genug nachgedacht. Zeit sich noch einmal zurück zu lehnen, in die ersten Akkorde von ‚Going down’. Und noch ein Getränk zu holen. Und zu merken, dass diese Musik so präsent ist, daß man ihr am liebsten auch ein Glas auf den Tisch stellen würde, so lange sie da ist.
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